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»Ich bin eine männliche Schwulenmutti«

Dome Karukoski über »Tom Of Finland«

Erst gab es Briefmarken mit seinen Werken, jetzt kommt ein Biopic über den Zeichner homoerotischer Fantasien, Tom Of Finland, in die Kinos. Patrick Heidmann traf Regisseur Dome Karukoski.
Geschrieben am
Was hat dich als heterosexuellen Mann am Künstler Tom Of Finland interessiert?
Ich bin so schwul, wie man es als heterosexueller Mann nur sein kann. Ich komme aus einem linken und liberalen Haushalt. Mein Vater ist Künstler, meine Mutter Journalistin. Und ich habe viele schwule Freunde. Ich bin eine männliche Schwulenmutti. Berührungsängste gab es also keine. Tom Of Finland hat einen Weg gefunden, den Leuten zu zeigen, dass sie sich für ihre Fantasien und Fetische nicht schämen müssen. Und das zu einer Zeit, als er noch fürchten musste, als Homosexueller im Knast zu landen – oder kastriert zu werden. Das fand ich spannend.

Wann hast du zum ersten Mal seine Zeichnungen gesehen?

Da muss ich 12 oder 13 Jahre alt gewesen sein. Einer meiner Freunde, der sich wenig später auch geoutet hat, besaß einen der Comics. Wir hatten noch keine Haare am Sack, aber guckten uns mit großen Augen die Bilder dieser riesigen Schwänze an. Voller Ehrfurcht, dass es Penisse in dieser Größe gab. Später kam Bewunderung für sein künstlerisches Talent hinzu. Durch Gespräche mit meinen schwulen Freunden wurde mir außerdem klar, welche Wirkung es auf junge Homosexuelle hat, wenn sie begreifen, dass ihr Interesse an Schwänzen nichts Abartiges ist – und sogar Kunst sein kann.

Ist man in Finnland stolz auf Tom Of Finland?

Aufgrund seines englischen Künstlernamens, weil er amerikanische Polizeiuniformen zeichnete und da seine Arbeiten in den USA veröffentlicht wurden, hielten die meisten ihn für einen Amerikaner, der vielleicht mal in Finnland Urlaub gemacht hat. Erst nach seinem Tod 1991 wurde bekannt, dass er ein Finne namens Touko Laaksonen war. Damals schämten sich wohl viele Landsleute. Man machte sich Sorgen um Finnlands Ruf im Ausland. Dank der Bemühungen der Tom Of Finland Foundation änderte sich das. Es gab sogar offizielle Briefmarken mit seinen Zeichnungen als Motiv. Aber verklemmte Konservative beschimpfen so etwas heute noch als Homo-Propaganda.

Für einen Spielfilm über den vielleicht bekanntesten Zeichner homoerotischer Illustrationen kommt in »Tom Of Finland« erstaunlich wenig Sex vor. Warum?

Wir haben eine Sexszene zwischen Tom und seinem Lebensgefährten gedreht. Aber die konnte es in Sachen Erotik nicht mit seinen Zeichnungen aufnehmen. Deswegen flog sie raus. Überhaupt ging es ja darum, den tristen Alltag in Finnland zu zeigen, um das Gefälle zu Toukos Fantasie und Kunst umso deutlicher zu machen. Abgesehen davon bin ich erstaunt, dass gerade schwule Kritiker sich beschweren, der Film sei nicht sexuell genug. Eigentlich fordern doch genau die immer, dass Geschichten über schwule Männer nicht nur von Sex handeln dürfen, sondern homosexuelles Leben in aller Komplexität zeigen sollen. 
— »Tom Of Finland« (FIN/DK/S/D/IS 2017; R: Dome Karukoski; D: Jakob Oftebro, Werner Daehn; MFA; Kinostart: 05.10.17)