×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Wann ist ein Mann ein Mann?

So ist »Fikkefuchs«

Jan Henrik Stahlberg hat ein Näschen für skandalöse Zustände und ein Händchen für verstörende Filme. Die Antihelden von »Fikkefuchs« sind zwei frauenverachtende Schweine.
Geschrieben am
Als Herbert Grönemeyer 1984 seinen Song »Männer« textete, war für einige Leute die Welt noch in Ordnung. Vergewaltigungen wurden in der Öffentlichkeit meist totgeschwiegen, der Klaps auf den Po galt in der Regel als Kompliment, so wie das Hinterherpfeifen auf der Straße. Aber der böse Feminismus, der Gender-Wahnsinn, die Homo-Lobby und das Internet – sie haben aus wahren Männern Bösewichter gemacht und die ganzen Loser und Schwächlinge nach oben gespült. So oder so ähnlich geht es jedenfalls im Hirn von Rocky zu. Der heißt eigentlich Richard und war vielleicht mal ein »wilder und cooler Stecher«, doch mittlerweile ist er eine arme Wurst. Einsicht ist nicht seine Stärke, insgesamt muss man bei ihm eher länger nach positiven Charaktereigenschaften suchen. Als humanistisch erzogener Mensch versucht man ja, das Beste im Menschen zu finden, in Rockys Fall lässt sich bloß festhalten, dass Thorben, Rockys Sohn, die Blamage seines Vaters insofern relativiert, als dass er noch aggressiver, beschissener und frauenverachtender ist als sein missratener Erzeuger. 

Jan Henrik Stahlbergs neuester Film ist mal wieder auf der Höhe der Zeit. Während im Zuge der Weinstein-Enthüllungen auch dem letzten männlichen Betrachter klar geworden sein sollte, dass sexuelle Gewalt ein sehr viel größeres Problem ist als bislang verdrängt, lässt Stahlberg mit Rocky und Thorben zwei überzeichnete, aber sicher nicht märchenhafte Figuren auf die Zuschauer los. In seiner Zusammenarbeit mit Regisseur und Drehbuchautor Marcus Mittermeier entstand 2004 »Muxmäuschenstill« um den »Idealisten« und Wutbürger Mux – und 2009 der medienkritische »Short Cut To Hollywood«, den sie mit der »Bluewater-Affäre« um ein fingiertes Selbstmordattentat skandalös promoteten.

In »Fikkefuchs« gibt Stahlberg das Duo infernale zusammen mit Franz Rogowski. Den kennt man unter anderem durch seine Rolle des Boxer in Sebastian Schippers »Victoria«. Das ungleiche und doch sehr gleich gestörte Vater-Sohn-Paar verbreitet Ekel. Die Versuche der beiden, »Frauen aufzureißen«, zeugen von totaler Frauenverachtung. So bleiben die beiden krankhaft oversexed but underf*****. Bis Thorben einen Tipp bekommt: Ein weiblicher Coach verspricht, die abgehängten Männer wieder in die Spur zu bekommen, damit sie auch morgen noch kraftvoll zugreifen können. Stahlberg und Rogowski spielen die psychopathischen Maskulinisten sehr überzeugend. Selten sah man zwei solch ungebrochen abstoßende und misogyne Typen auf der Leinwand. Doch angesichts der enormen Anzahl an real existierenden YouTube-Videos von sogenannten Pick-up-Artists muss man leider annehmen, dass diese Darstellung nicht annähernd so weit weg von der Wirklichkeit ist, wie man hoffen möchte. In letzter Konsequenz ist »Fikkefuchs« einer der feministischsten Filme der letzten Jahre.
— »Fikkefuchs« (D 2017; R: Jan Henrik Stahlberg; D: Franz Rogowski, Jan Henrik Stahlberg; Kinostart: 16.11.17; Alamode)