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Luc Besson über »Valerian – Die Stadt der tausend Planeten«

Der französische Regisseur von »Léon – Der Profi«, »Das fünfte Element« und »Lucy« verknüpft seine Vorliebe für außergewöhnliche Zweierbeziehungen und futuristische Szenarien in einer Herzensangelegenheit. Patrick Heidmann sprach mit Luc Besson über die Verfilmung seines Lieblingscomics.
Geschrieben am
Mit »Valerian – Die Stadt der tausend Planeten« kehrst du zurück zur Science-Fiction. Ist die Comicverfilmung eine Art Nachfolger von »Das fünfte Element«? Das Genre ist dasselbe. Aber wenn ich Aufwand und Technik vergleiche, gibt es immense Unterschiede. »Valerian« war bislang meine größte Herausforderung. Vor 20 Jahren drehten wir für »Das fünfte Element« 188 Einstellungen mit Spezialeffekten, dieses Mal waren es 2734 – die 15-fache Arbeit. Noch vor fünf Jahren wäre es nicht möglich gewesen, »Valerian« so zu produzieren, wie ich es im Sinn hatte.

Wann begann die Arbeit an dem Projekt?
Die Verfilmung der Comicreihe »Valérian Et Laureline« war lange mein Traum. Als ich die Comics in den 1970er-Jahren las, waren ihre Geschichten geradezu revolutionär. Schon allein, weil es nicht nur einen männlichen Protagonisten, sondern auch eine weibliche Heldin gab. Die suchte man in Comics und Science-Fiction-Geschichten sonst vergeblich. Mich haben die beiden nie losgelassen, und so fragte ich mich über viele Jahre, ob und wie sich eine Adaption umsetzen ließe.  

Und was machte die Verfilmung schließlich möglich?

Ich würde sagen: James Cameron. Ganz im Ernst. Er treibt die Technik auf dem Gebiet der Spezialeffekte immer weiter voran. Er und Peter Jackson und all die Leute bei Firmen wie ILM und Weta waren es, die »Valerian« ermöglich haben. Sie erfinden und entwickeln die Werkzeuge, die durchgeknallte Leute wie ich brauchen, um ihre Ideen umzusetzen.

Ist »Valerian« als europäische Antwort auf die großen Comicverfilmungen aus den USA zu verstehen?
Man könnte den Film eher als Gegenstück bezeichnen. Er lässt sich kaum mit Filmen von Marvel oder DC vergleichen. Dahinter steht eine riesige Maschinerie, alles ist straff durchorganisiert. Bei mir geht es chaotischer zu, und ich brauche länger, weil ich mich mit Kreativen umgebe, die sich am Arbeitsprozess beteiligen. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Ideen und Vorschlägen, deswegen hat sich »Valerian« während seiner Entstehung auch dauernd verändert. Abgesehen davon erzähle ich keine Superhelden-Geschichte.

Welche Geschichte wolltest du erzählen?
Es gibt zwei Protagonisten – einen Mann und eine Frau. Sie sind Weltraum-Agenten, also eigentlich Cops, die einen Fall zu lösen haben. Die Konstellation ist quasi »›Starsky und Hutch‹ meets ›Mr. & Mrs. Smith‹«. Dazu kommen eine große Portion Humor und die Frage, ob unser Titelheld seine Kollegin am Ende für sich gewinnen kann. Er ist nämlich ganz schön in sie verschossen. Es können noch so viele Aliens in dem Film auftauchen, am Ende dreht sich alles um die Dynamik zwischen den beiden.
Wie ist es dir gelungen, Rihanna für die Rolle von Bubble zu gewinnen? 
Ich hatte das Gefühl, sie könnte echtes Talent als Schauspielerin haben. Da sie interessiert war, haben wir uns getroffen. Meine erste Frage lautete: »Willst du wirklich Bubble in ›Valerian‹ spielen?« Rihanna ist die Göttin der zeitgenössischen Popmusik. Sie ist die Nummer eins. So jemand muss keine Filme drehen, um ein Weltstar zu sein. Deswegen wollte ich sicherstellen, dass es ihr nicht bloß darum ging, eine neue Erfahrung zu machen und ihren Lebenslauf zu erweitern. Ich will mit Menschen zusammenarbeiten, die meine Arbeit auch ernst nehmen.

Was hat Rihanna geantwortet?
Dass sie es verdammt ernst meine und unbedingt von mir lernen wolle. Sie machte keinen Hehl daraus, kaum schauspielerische Erfahrungen zu haben. Ja, sie gab sich bemerkenswert bescheiden, vertraute sich mir hundertprozentig an und war quasi Wachs in meinen Händen. Ich fand es höchst erstaunlich, dass sie nicht ständig ihre Entourage im Schlepptau hatte. Sobald die Kamera lief, habe ich mit Rihanna keinen Deut anders gearbeitet als mit den Hauptdarstellern Dane DeHaan oder Cara Delvingne. Mein Gespür hat sich bewahrheitet, und ich bin mir sicher, dass wir auf der Leinwand noch viel von ihr sehen werden. Ich bin schon auf der Suche nach einem neuen Projekt für sie.

Warum ist sie nicht auf dem Soundtrack vertreten?
Das war eine bewusste Entscheidung. Ich wollte sie nicht beleidigen, indem ich sie danach frage. Ich wollte Rihanna zeigen, dass es mir um sie als Schauspielerin ging, nicht um sie als berühmten Popstar.

Welche Rolle spielt die Musik in »Valerian«?

Die Filmmusik stammt von dem Komponisten Alexandre Desplat. Ich wollte einen opulenten Science-Fiction-Score, so wie den von »Star Wars«. Auf Songs habe ich, so gut es ging, verzichtet. Meine größte Angst ist, dass ein Film nach ein paar Jahren veraltet wirkt – und nichts wirkt so altmodisch wie ein in die Jahre gekommener Popsong. 
— »Valerian – Die Stadt der tausend Planeten« (F 2017; R: Luc Besson; D: Dane DeHaan, Cara Delvingne; Kinostart: 20.07.17; Universum)