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Ein Hoch auf die Zukunft

»Ruiner«

Mit »Ruiner« huldigt das polnische Entwicklerstudio Reikon Games klassischen Cyberpunk-Motiven in Form eines anspruchsvollen Twin-Stick-Shooters.
Geschrieben am
Es würde einer maßlosen Untertreibung gleichen, dem gängigen Videospiele-Kanon eine gewisse Verbundenheit mit dem klassischen Cyberpunk-Setting zu attestieren. Nicht nur, dass gleich eine ganze Reihe stilbildender Klassiker wie »Deus Ex« oder »System Shock« ohne die finsteren Dystopien von Autoren wie William Gibson oder Philip K. Dick kaum denkbar wären – auch heute bringt dieses schmuddelige Subgenre der Science-Fiction noch kleine und große Meisterwerke hervor. Die Gründe dafür sind vielfältig, einer liegt auf der Hand: Die popkulturelle Vorstellung einer kaputten, hoffnungslosen Zukunft ist schlichtweg besser gealtert als die verheißungsvollen Gegenentwürfe. Zentrale Motive des Genres wie virtuelle Realität, künstliche Intelligenz, Transhumanismus oder ein außer Kontrolle geratener Kapitalismus sind heute schließlich drängender denn je. Aspekte, die sich allesamt auch in »Ruiner«, dem ultra-stylischen Debüt des polnischen Entwicklerstudios Reikon Games, wiederfinden. Hier gilt es sich im Jahr 2091 auf die Spuren unseres gekidnappten Bruders zu begeben, die einen immer tiefer in das Innere eines skrupellosen Großkonzerns vordringen lassen.
»Ruiner« strahlt von der ersten Sekunde an eine Menge Atmosphäre aus, täuscht dabei aber nicht über die Tatsache hinweg, dass es sich hier durch und durch um einen Action-Titel handelt. Heißt: Das stimmungsvolle Ambiente wird in der Regel sehr schnell durch einfallende Gegnerhorden zunichte gemacht, denen es mit Hilfe von zahlreichen Gadgets und Fähigkeiten das Handwerk zu legen gilt. Die sind auch bitte nötig, denn »Ruiner« ist ein fast schon lächerlich schnelles Spiel, in dem die richtigen Bewegungsmuster und Laufwege für das Überleben essentiell sind. Kurze Sprints lassen sich zu komplexen Ausweichmanövern verketten, während verschiedene Neuromods praktische Funktionen wie Schild-, Zeitlupen- oder Angriffs-Aktionen erlauben. Bis zu vier dieser im fortschreitenden Spielverlauf immer vielfältiger werdenden Skills lassen sich gleichzeitig einsetzen und wer in diesem Spiel vorankommen möchte, muss jeden einzelnen davon blind beherrschen, gilt es doch zumeist ohne jegliche Rückzugsmöglichkeiten gegen sehr viele Gegner gleichzeitig zu bestehen. Oder noch schlimmer: Gegen einen der zahlreichen Bosse, deren Energieleisten gerne mal die komplette Horizontale des Bildschirms einnehmen. Das kann mit seinen rasanten Wechseln zwischen Nah- und Fernkampf vor allem zu Beginn überfordern, geht mit der Zeit aber immer sicherer von der Hand. Wer genügend Geduld mitbringt und sich nicht davor scheut, regelmäßig den »Game Over«-Screen zu grüßen, wird immer wieder mit dramatischen Scharmützeln belohnt. Aussehen tut das in der Regel so:
Eine packende Story entwickelt sich unter all diesem Lärm freilich nicht. Wir hetzen auf den Spuren unseres Bruder gewissenhaft von einer Location zur anderen, um dort alles in Schutt und Asche zu legen. Das sieht mit seinem Cartoon-Look und der äußerst geschmackvollen Art Direction nicht nur umwerfend aus, sondern klingt auch mindestens genauso gut: Bedrohlich pulsierender Industrial-Techno, polyrhythmisch hämmernde Kriegstrommeln und atmosphärische Ambient-Passagen setzen hier die Stimmung und laden dazu ein, die Lautstärke dieses Spiel richtig aufzudrehen, oder noch besser, gleich mit guten Kopfhörern zu spielen. Das mag banal klingen, ist dem Gesamterlebnis aber ungemein zuträglich und tröstet dabei auch gleich ein wenig über das verschenkte Potential in Sachen Storytelling weg.

»Ruiner« für PC, PlayStation 4 und Xbox One (Devolver Digital / Reikon Games)