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Diese Woche war Weltkatzentag

Ein Plädoyer für Cat Content

Erst kürzlich wetterte Kollege Nils Schlechtriemen in unserer »Kratzen und Beißen«-Kolumne gegen die schier schwindelerregende Niedlichkeit der renitenten Samtpfötchen im Internet. Die unaufhaltsame Omnipräsenz dieser Flauschbällchen ist kaum noch zu übertreffen. Dass das aber ziemlich aufschlussreich ist, scheint doch mindestens so sicher wie die ewig währende Launenhaftigkeit unserer allerliebsten Vierbeiner. 

Geschrieben am
Jedes Knäuel ein Gräuel? Wohl kaum! Katzen sind der letzte Schrei. Von unaufgeregten Posen der Coolness bis hin zu akrobatischen Stunteinlagen, streichen sie teilweise mehr Klicks ein als Miley Cyrus, Justin Bieber oder Scooter. Aus gutem Grund findet im amerikanischen Minneapolis bereits seit 2012 das Internet Cat Video Festival statt. Die deutsche Ausgabe feierte im vergangenen Jahr seine Premiere in Düsseldorf. Cat Content ist nicht nur unsinniger Zeitvertreib, sondern auch für das soziale und kulturelle Leben unserer Gesellschaft höchst relevant. Die Veranstalter sind keineswegs daran interessiert, ausschließlich fell-verfallene Fetischisten in einen Zustand hypnotischer Wonne zu raffen.

Im Internet halten Katzen das Zepter der Aufmerksamkeitserzeugung fest in ihren Krallen, und das zu Recht! Während sich Kollege Schlechtriemen erst kürzlich in unmanierlichster Art über die seelenbalsamierenden Samtpfötchen echauffierte, halte ich - im Rückblick auf den erst kürzlich zurück liegenden Weltkatzentag - mein Gegenplädoyer.
Katzen sind vor allem eines: dem Menschen ähnlich, und gerade deshalb auch mehr als bedeutsam, möchte man nachvollziehen, warum wir eigentlich bei jedem noch so sinnentleerten Cat-Meme vor Lachen verkrampfen oder wegen possierlicher Rührung dahinschmelzen. Geradezu unerhört ist der Vorwurf, Grumpy, Nyan und Co. täten nichts anderes außer nervtötend rumzuschnurren oder dem pausenlosen Müßiggang zu frönen. 

Cat Content ist trivial, schon klar. Aber so ist das nun mal mit allem, was unseren banalen Alltag so gewöhnlich macht. Doch gerade die Überführung dieser immerwährenden Gewöhnlichkeit in den digitalen Raum macht daraus eine ganz schön spannende Angelegenheit. Das gilt übrigens für sämtliche Inhalte, die sich in genau diesem Spektrum bewegen und Identifikation stiften: Ungeschicklichkeiten im Haushalt, herzerwärmende Zebrastreifen-Märtyrer, Besoffene.

Es scheint also kaum verwunderlich, dass wir uns - auch in dieser ausufernden Fülle - an den zu Fell gewordenen Opportunisten derart erquicken. Wir werden mindestens genauso durch kaltes Kalkül gesteuert wie diese sinistre Wollknäuel-Bagage. Dass wir gerade im Internet auf solche Inhalte zurückgreifen, ist wenigstens auf zwei Punkte zurückzuführen: Erstens sind Katzen schlichtweg niedlich. Es liegt wohl kaum in der Natur des Menschen, sich den Dingen zu erwehren, die ihm Freude bereiten. Hierin ist auch die Vorstellung einer heilen Welt begründet. Zwar sind Katzen egoistisch und gemein, doch sie versinnbildlichen auch häuslich-genügsame Zufriedenheit. Darüber hinaus gestatten uns Katzen, auf eine Art zu kommunizieren, die uns andernfalls schwer fallen würde. Anstatt Gefühle, die nur unter größter sozialer Anstrengung mitgeteilt werden können, in Worte zu fassen, gewährleistet ein Katzen-Meme den nötigen Grat an ironischer Distanz – die Is-mir-scheißegal-Mentalität trifft's genauso präzise. Man könnte also behaupten, dass die süßen Dinger symbolische Funktion haben – als Emotionsregulator sozusagen. Mau, wie schlau!