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YouTube-Star auf braunen Abwegen

PewDiePie löschen

Der YouTube-Star PewDiePie ist spätestens seit seinen antisemitischen Ausfällen zu Beginn des Jahres nicht mehr tragbar, geschweige denn auszuhalten. Ein Eindruck, den er nun noch einmal selbst unterstrichen hat.
Geschrieben am
Machen wir uns nichts vor: Felix Kjellberg alias PewDiePie war trotz seiner enormen Popularität (fast 60 Millionen YouTube-Abonnenten) nie jemand, mit dem man sich als Videospiel-affiner Mensch auch nur annähernd identifizieren wollte oder konnte. Mehr noch: Alleine der Gedanke, dass das in jüngeren Generationen schon ganz anders aussieht, ließ es einem schon immer ein bisschen kalt den Rücken runterlaufen. Jemanden, der seine Community martialisch als »Bro Army« bezeichnet und sich in der Regel auch genauso dumm-prollig geriert, möchte man sich eigentlich nicht als maßgeblichen Einfluss in den Kinderzimmern vorstellen. Eine Generation aus weißen, privilegierten Schulhof-Bullys braucht nun wirklich niemand.

Gerade diese bürgerlich bevorteilte Perspektive macht auch den jüngsten Ausfall des schwedischen YouTube-Wunders so unerträglich, in dessen Rahmen er einen Gegenspieler während eines Livestreams mit dem N-Wort beschimpfte (inzwischen in zahlreichen Clips auf YouTube dokumentiert, die aufgrund der überwiegend nicht minder problematischen Uploader allerdings nicht hier eingebunden oder verlinkt werden). Wer dieses Wort – egal in welcher Situation, aber vor allem vor tausenden, jungen Live-Zuschauern – dezidiert als Schimpfwort benutzt, kann sich schlichtweg nicht mehr von seiner rassistischen Gesinnung freisprechen – darüber muss jeder Zweifel erhaben sein. Jeder Versuch der Erklärung oder Entschuldigung kann da nur sarkastisch anmuten, denn »was einem so rausrutscht«, muss ja schon alleine der Logik halber irgendwie zum gebräuchlichen Wortschatz gehören. Dass das nach den jüngsten Ereignissen (Siehe Charleston und Co.) in der jüngeren Chronologie der Marginalisierung auch noch in einem Klima geschieht, in dem sich People Of Colour ohnehin einem verstärkten Alltagsrassismus (und natürlich auch weitaus Schlimmerem) ausgesetzt sehen, macht die Sache noch verheerender.

Überraschen dürfte einen dieser ganze Eklat spätestens seit Beginn des Jahres nicht mehr, als es Kjellberg für witzig hielt, über die Freelancer-Plattform Fiverr Leute anzuheuern, die ein Schild mit der Aufschrift »Death To All Jews« in die Kamera hielten. Schon da hätte man den YouTube-Star einfach abschalten sollen. Mit ähnlich geschmacklosen Tendenzen ist der Streamer nämlich auch schon vor diesem Skandal aufgefallen, der unter anderem zur Folge hatte, dass Disney seinen Vertrag mit Kjellberg kündigte. Während sich dieser bisher nicht zu den jüngsten Vorwürfen geäußert hat, reagierte unter anderem das Indie-Entwicklerstudio Campo Santo und kündigte an, Kjellbergs Videos zu ihrem Spiel »Firewatch« löschen zu lassen und auch in Zukunft keine Streams zu den eigenen Veröffentlichungen mehr zu dulden. Ein Schritt, der in Anbetracht der überschaubaren Größe des Entwicklers nicht besonders schmerzhaft für Kjellberg sein dürfte, im besten Fall aber eine Signalwirkung entfaltet, nach der auch größere Publisher handeln. Denn wie Studio-Mitbegründer Sean Vanaman ganz richtig feststellt, mache man sich ohne zu handeln ein Stück weit zum Komplizen – profitieren tut man als Entwickler nämlich ordentlich von derart reichweitenstarken Streamern. Die beste, wenn auch leider unrealistischste Lösung wäre wohlgemerkt, einfach die Rassisten selbst zu löschen.