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Für immer Kind

Cro im Interview

Seine Musikvideos wirken wie kunstvoll inszenierte Kurzfilme, seine Texte fragen nach dem Sinn des Lebens: Das Teenie-Idol Carlo Waibel mit der Panda-Maske zeigt sich mit seinem dritten Album »tru.« von einer ganz neuen Seite. Sermin Usta traf den 27-jährigen Stuttgarter Rapper in Berlin und sprach mit ihm über sein neues Heim, digitalen Glitzer und sein Faible für Montell Jordan.
Geschrieben am
Das Ende deiner ersten Single »Baum« wirft im Netz die absurdesten Theorien auf. Die einen sprechen von einem Neuanfang, andere vom Ende deiner Karriere. Warst du dir der Tragweite der Bilder bewusst?
Klar, das war so beabsichtigt. Ich wollte den Track so filmisch wie möglich darstellen, deshalb habe ich fast jeden Frame selbst geschnitten. Trotzdem sind manche Theorien etwas komisch. Andere dagegen auch echt pfiffig.

Wer dich gut kennt, versteht die Tragik der Songs. Verspätest du dich heute immer noch gerne?
Sagen wir so: Es ist besser geworden. Früher war ich viel schlimmer, da bin ich auch manchmal gar nicht mehr gekommen. Heute weiß ich: Ich bin der Kopf der Schlange. Wenn ich nicht da bin, machen die anderen irgendwas. Damit ein Produkt am Ende so wird, wie man es sich vorstellt, muss man dranbleiben, Tracks oder Videos nicht auf halber Strecke einem anderen überlassen. Sonst werden sie nie so, wie man sie sich wünscht.

Glaubst du, jeder muss zwangsläufig irgendwann erwachsen werden?

Man geht auf jeden Fall glücklicher durchs Leben, wenn man sich sein inneres Kind bewahrt. Ich sehe ja, dass andere Künstler wie Patrice oder Wyclef auch krasse Kindsköpfe sind. Als Künstler braucht man eben für gewisse Dinge dann abgecheckte Leute, die einen backen und alles Mögliche um das Künstlerische herum klären.
Nach deiner 2014er-LP »Melodie« hast du erst für deinen Film vor der Kamera und dann für »MTV Unplugged« auf der Bühne gestanden. Fiel es dir schwer, dich danach ganz der Musik zu widmen? 
Nein, im Gegenteil. Nach der Unplugged-Tour war ich mit meinen Homies erst einmal auf Reisen. Als ich zurückkam, habe ich voll losgelegt. In der Zeit habe ich es sogar geschafft, mal anzuhalten und aus dem Forrest-Gump-Modus heraus zu überlegen: Wo laufe ich eigentlich hin? 

In welches Studio hast du dich zurückgezogen?
 
Mittlerweile habe ich mein eigenes Haus in Stuttgart, wo alle einen Platz zum Pennen haben und der Kühlschrank randvoll ist. In jedem der Räume ist eigentlich immer irgendwer am Videos-Schneiden, Malen oder Shooten – ein bisschen wie in der Warhol Factory. 

Das klingt nach einer großzügigen Investition – besonders für Stuttgarts Künstlerszene.

Die meisten haben erst kapiert, worum es geht, als sie zu Besuch waren. Viele meiner Gäste dachten offensichtlich, ich würde den ganzen Tag schlecht gelaunt im Bademantel auf dem Bett liegen, Schuhe shoppen und mir von anderen Beats bauen lassen. 

Entspricht das deiner Vision vom idealen Leben?

Freiheit ist das Wichtigste für mich. Wichtiger als alles andere. 

Was die künstlerische Freiheit angeht, hast du dich auf »tru.« ziemlich ausgetobt. Neben zeitgenössischem Trap bietet die LP mit Wyclef Jean und R’n’B-Newcomerin Ace Tee einige Oldschool-Momente. Wie kam es zu diesem Genre-Mix?

Dass ich nicht Helene-Fischer-mäßig in einer stilistischen Ecke rotieren muss, finde ich gut. Vielleicht wäre ich auch gern wie Montell Jordan, ich weiß es nicht. Meine Geschwister haben auf jeden Fall die unterschiedlichste Musik gehört. Während mein Bruder Rap-Fan war, lief bei meiner Schwester vor allem 90er-R’n’B.

Wovon handelt der Track »Computiful«?

Es geht um Tinder und all die Moglis, die man dort so trifft. Du wischst die ganze Zeit to the left, to the left, bis du auf die eine triffst. Man fängt an zu schreiben, bis sie sagt: Komm rum! Und dann merkst du wieder, wie seelenlos das alles ist und dass diese Liebe nur im Computer schön ist. In echt denkst du dir nämlich nur: Ciao. 


Ist dir das schon passiert?
Klar, ich bin auch schon in die Falle getappt. Ich kenne Mädels, die umgeben sind von diesem digitalen Glitzer und nur danach leben, wie viele tausend Follower sie haben, aber dann plötzlich ganz natürlich am Strand stehen und vor strahlendem Himmel posen. Aber selbst wenn die Person dich für den Moment täuscht, kommt es halt immer ans Licht. 

Nervt dich diese digitale Welt manchmal?
 
Es nervt, dass heutzutage alle versuchen, irgendjemand anders zu sein, und dabei kaum jemand mehr er selbst ist. Die Menschen sollten anfangen, sich selbst zu imitieren statt andere. 

Bleibst du trotz Tinder-Fails ein Verfechter romantischer Gesten?
 
Klar. Auf dem Dach liegen, in den Sternenhimmel schauen, da steh ich drauf.

Was war das Romantischste, was du je für eine Frau getan hast?

Ich habe echt viel gemacht. Ich habe Mützen genäht, nachts vor ihrem Haus ein Bild auf die Straße gemalt, sie mit einem Bikini in der Tasche überrascht und direkt auf die Seychellen entführt – so Dinge halt. Ich bin ein echter Casanova. 

Das Verrückte ist, alle suchen nach etwas Echtem, machen es aber nicht besser. Wie kommt das? 
 
Schlimmer finde ich, dass die heutige Generation nur das kennt. Ich bin safe. Ich bin ein Kind der 1990er. Ich hatte einen Walkman und eine Steinschleuder – und weiß deshalb, wie man das alles konsumiert. Schließlich kann man ja auch geiles Zeug mit Smartphones und Tablets machen – malen oder Musik zum Beispiel. 

Bezogen auf das neue Album – wie echt sind deine neuen Songs?
 
Auf meinen letzten beiden Alben habe ich vieles an der Oberfläche gehalten. Was nicht schlimm war. Die Leute müssen nicht deep in mich hineinblicken, um meine Musik zu mögen. Trotzdem habe ich auf diesem Album mehr Dinge beim Namen genannt. Ich wollte darüber schreiben, was gerade geht – den Zeitgeist einfangen. So, wie RIN das im Moment macht: »Es ist drei Uhr nachts in der Stadt. Bin über achtzehn und ich mach, was ich mach« – das ist genial. Wenn seine Fans das zehn Jahre später hören, wissen sie genau: Das war 2017.