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Flummi-Feminismus

Diet Cig live in Köln

Das New Yorker Pop-Punk-Duo Diet Cig hat nicht nur eine Abneigung gegen die immer noch männlich dominierte Kulturlandschaft, sondern augenscheinlich auch ziemlich gute Sprunggelenke.
Geschrieben am
09.10.2017, Köln, Blue Shell

Der Abend beginnt mit einer kleinen Revoluzzergeste gegen den deutschen Regulierungsapparat: Die sonst getrennten Toilettenräume wurden vom Blue Shell kurzerhand mit einem Blatt Papier zu geschlechtsneutralen Toiletten umgewandelt. Das erfreut vor allem die schottische Queer-Punk-Band The Spook School, die den Abend lautstark eröffnet und wegen der ein nicht unbeträchtlicher Teil des Publikums an einem Montag ins Blue Shell gekommen ist. Deren Anliegen ist neben queerer Selbstermächtigung und dem Aufbrechen binärer Geschlechterrollen vor allem euphorisch-mitreißender Garage-Punk der keine Angst vor poppigen Refrains hat. Und damit sind The Spook School der perfekte Support für Diet Cig.  

Das Duo aus New York schlägt nämlich in eine ziemlich ähnliche Kerbe. Sängerin Alex Luciano bearbeitet nicht nur ihre Gitarrensaiten, sondern in ihren Texten vor allem das Heranwachsen als Frau in einer Welt und auch Szene, in der Männer immer noch eine Deutungshoheit über weibliche Verhaltensweisen für sich beanspruchen wollen und diese auch noch kundtun: »It’s hard to be a punk while wearing a skirt« lamentiert sie in »Tummy Ache«.

Während ihr Mitstreiter Noah Bowman zumeist ruhig und zurückhaltend am Schlagzeug sitzt und dem schrammeligen Pop-Punk Struktur verleiht, bewirbt sich Luciano als Mensch gewordener Flummi. Sie springt auf der kleinen Bühne unaufhörlich grinsend umher, sodass mindestens zwei Fragen auftauchen: Warum machen meine Sprunggelenke sowas nicht mit und wie kann man in dieser Bewegung überhaupt noch die Gitarrensaiten treffen? Sie selbst scheint jedenfalls mit beidem kein Problem zu haben. So ist die knappe Stunde in der Diet Cig fast alle Songs des tollen Debütalbums »Swear I’m Good At This« und der vorangegangenen EP in jedem Moment zugleich mitreißend und höchst unterhaltsam. Wundervoll zu sehen, dass Luciano sich wie in »Apricot« angekündigt nichts mehr vorschreiben lässt: »And I don’t care if anybody‘s watching me«.