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Immer vorwärts

Kraftwerk live in Düsseldorf

Kraftwerk und die Tour de France in Düsseldorf, eine magische und fast schon zwangsläufige Verbindung. Dementsprechend konnte der Auftritt der Electro-Pioniere um Ralf Hütter am Abend des Starts des größten Radrennens der Welt kaum schiefgehen.
Geschrieben am
01.07.2017, Düsseldorf, Ehrenhof

Von Ralf Hütter, dem einzig verbliebenem Gründungsmitglied Kraftwerks, ist der Öffentlichkeit nur wenig Privates bekannt. Eine Ausnahme bildet der Umstand, dass der 70-Jährige aktiver Radsportler und Radsport-Fan ist. Angesichts dessen ist der Gedanke nur logisch, die größten Söhne Düsseldorfs in Sachen innovativer Popmusik in ihre Heimatstadt zu bitten, wenn hier mit der Tour de France das größte Radsport-Ereignis der Welt startet. Schließlich fand der »Grand Départ« erstmals seit 30 Jahren wieder in Deutschland und noch nie in Düsseldorf selbst statt.

Für die Umsetzung eines würdigen Konzertes nach der als Einzelzeitfahren ausgetragenen ersten Etappe der Rundfahrt scheute die Stadt keine Kosten und Mühen. Der Ehrenhof zwischen den klassischen Spielstätten Tonhalle und Robert-Schumann-Saal, eigentlich eine Parkanlage, wurde zum Open-Air-Gelände umfunktioniert und lag auch noch direkt an der Rennstrecke.
Air live
Bild: Iris Edinger
Man darf durchaus infrage stellen, ob Kraftwerk auch heute noch den Puls der Zeit der elektronischen Popmusik ausfüllen – man muss sich für so einen Fall nur auf empörten Protest der Legionen von hingebungsvollen Fans gefasst machen. Unzweifelhaft ist aber, dass Kraftwerk sich für den Auftritt im Rahmen des gigantischen Sportereignisses große Mühe gaben. Nicht nur deshalb, weil sie die Franzosen Air als bestens passende Gäste einluden – auch die Visuals und die an ihre aktuelle Veröffentlichung »3-D – Der Katalog« angelehnte Setlist ließ keine Wünsche offen. Natürlich war zu diesem Anlass Kraftwerks letztes Studioalbum »Tour de France Soundtracks« innerhalb der Werkschau am prominentesten vertreten, sogar der 1983er-Track »Tour de France« kam zur Aufführung.

Aber auch abseits dessen zogen Kraftwerk an diesem Abend alle Register: Mehr als 20 Stücke aus ihrem Werk seit der Umwandlung zur Electro-Pop-Band mit dem Album »Autobahn« gehörten zum mehr als zweistündigen Set – garniert mit älteren und modifizierten Visuals, oft in 3D, so auch eine Stilisierung des Profifahrers Tony Martin und seines Rades, einer von Ralf Hütter gestalteten Sonderedition. Und auch die berühmten Kraftwerk-Puppen ersetzten bei »Die Roboter« die Bandmitglieder auf der Bühne.
Kraftwerk live
Bild: Iris Edinger
Mit diesem Spektakel ließen Kraftwerk keine Fragen offen, weder bei ihrer harten Fangemeinde aus Kunst und Pop in den ersten Reihen, noch bei den in großer Anzahl erschienenen Radsport-Anhängern oder den Düsseldorfer Event-Touristen, für die Kraftwerk-Auftritte schon seit langem gesellschaftlich relevante Ereignisse darstellen. Nur eines blieben Hütter und Co. an diesem Abend schuldig: neue Musik. Aber Kraftwerk sind eben eine Band, die jedes neue Lebenszeichen kunstvoll inszeniert und neue Songs nie einfach so einstreuen würde; soviel Überraschung wäre selbst dieser immer um Vorwärtsdrang bemühten Band zu viel.