×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Die fantastischen Fünf

Mulatu Astatke im Gespräch

Er gilt als musikalischer Pionier und Schöpfer des Genres Ethiojazz, ist Ehrendoktor der Berkeley-Universität und seit über 50 Jahren unermüdlich auf einer Mission: musikalische Welten zu verbinden. Vincent Lindig traf Mulatu Astatke im Rahmen des XJazz-Musikfestivals in Berlin.
Geschrieben am
Was macht Ethiojazz als Genre so besonders?
Ethiojazz ist die Verknüpfung musikalischer Welten – der Sound Äthiopiens trifft auf westlichen Jazz. Technisch gesehen ist das eine Zusammenführung verschiedener Tonleitern: In Äthiopien haben wir vier Tonleitern mit jeweils fünf Tönen, Pentatoniken also. Diese werden mit der traditionellen 12-Tonleiter (also eine Oktave, bei der man die weißen und schwarzen Tasten eines Klaviers zählt) verschmolzen. Das ist nicht einfach – wenn man nicht aufpasst, verliert man schnell die Schönheit der fünf äthiopischen Töne. Ich habe lange gebraucht, den Umgang damit zu lernen.

Sie sind seit über 50 Jahren aktiv. Was hat sie zuletzt wirklich erfreut im Zusammenhang mit ihrer musikalischen Karriere?
Es ist wunderbar, dass meine Musik von den Kindern Bob Marleys gesampelt wurde. Die haben ein ganz anderes Publikum als ich, das hat meiner Karriere einen großen Schub gegeben. Dadurch kommen junge Musikliebhaber auf meine Shows. Sie würden sich wundern, wie gemischt das Publikum auf meinen Konzerten ist. Abgesehen davon bin ich dankbar, dass meine Musik seit über 50 Jahren gefeiert wird und quicklebendig ist. Deshalb spreche ich auch oft von zeitlosen Kompositionen. Als ich anfing, diese Musik zu erschaffen, wurde sie nicht überall gut aufgenommen, heute lieben die Menschen Ethiojazz und Jazz. Meine Stücke überwinden also Generationen und Grenzen. Das macht mich sehr glücklich.

Regisseur Jim Jarmusch hat ihre Musik in seinen Filmen eingesetzt und damit ebenfalls dazu beigetragen, dass ihre Songs von einer neuen Generation gehört werden. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Wir trafen uns in New York, wo ich ein Konzert gespielt hatte. Er war mit seiner Crew gekommen und erzählte mir später, dass er ein großer Fan sei und meine Musik gern in seinem Film »Broken Flowers« verwenden würde. Ich habe zugesagt, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt nicht viel über seine Arbeit wusste. Später habe ich verstanden, dass er eine tolle Persönlichkeit ist, absolut kreativ und genial. Er verwendete einige meiner Songs, und vor allem »Yekermo Sow« wurde dadurch sehr bekannt.  

Musik wird von vielen Menschen als Heilmittel empfunden – glauben Sie an die Heilungskraft von Musik?

So habe ich das nie gesehen. Ich spiele und schreibe, was ich fühle – und wenn das jemandem hilft, zu heilen, bedeutet mir das etwas. Aber das ist nicht meine Motivation. Ich strebe nach musikalischer Perfektion – das ist das Einzige, worüber ich beim Komponieren nachdenke.